Premiumpartner

Der Spielplan 2024

Freitag
19. April 2024

18:00 Uhr | Hotel Schloss Waldeck

Adriana Altaras

„Besser allein als in schlechter Gesellschaft“ – Rat von Tante Jelka

Es ist ein Buch „wie ein Thermalbad“, ein Buch, das guttut, ein „südlich sonniges Buch“. Die Rezensionen, die Adriana Altaras für die spritzigen Dialoge mit ihrer Tante Jelka in Italien erhielt, lassen ahnen, dass die Berliner Schauspielerin und Regisseurin wieder einmal alle Register ihrer nonchalanten Erzählweise gezogen hat. Die Tante, fast 100, und die Nichte, fast 60 Jahre alt, tauschen sich in den bleiernen Zeiten von Corona am Telefon über den Gang des Lebens aus, das ihrer jüdischen Familie Verfolgung, Flucht und mancherlei Umwege auferlegt hat, von Zagreb nach Mantua und Gießen. Zu den mit Verve, Witz und Lakonie erörterten Themen gehören auch das Misslingen der Liebe, die daraus resultierende Einsamkeit und das Älterwerden. Ganz beiläufig entsteht so das irre komische Porträt einer hinreißend kapriziösen Dame, der man gern begegnet wäre. Sie und ihre Nichte, die Autorin, führen vor, dass auch der Umgang mit Unglück und Traurigkeit noch tröstlich und unterhaltsam sein kann.

PREOPENING: Lese-Dinner mit Vier-Gang-Menü, Lesung und Gespräch, Moderation: Christiane Kohl

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Samstag
20. April 2024

Durs Grünbein

„Der Komet“ – aus dem Leben einer einfachen Frau in der NS-Zeit

Dora W. ist Dora Wachtel, so hieß die Großmutter von Durs Grünbein. Der preisgekrönte Autor aus Dresden erzählt am Beispiel dieser Frau aus dem Alltagsleben der NS-Zeit. Doch er hält bei aller Einfühlung für das Schicksal der Dora W. auch Distanz und lässt schon gar nicht, auch nicht in seiner packenden Schilderung der berüchtigten Dresdner Bombennacht vom 14. Februar 1945, den Eindruck aufkommen, hier werde deutsche Geschichte aus einer Opferperspektive erzählt. Dora W., die aus einem Dorf in Schlesien erst in eine Kleinstadt, dann in die Metropole Dresden kommt und sich mit Oskar, einem Schlachtergesellen, verbindet, ist eine neugierige, lebenshungrige, am Fortkommen orientierte Mitläuferin des NS-Regimes aus proletarisch-kleinbürgerlichem Milieu, wie es Millionen gab. Die Verfolgung der Juden, die Schrecken des Krieges und der Diktatur treten in der Wahrnehmung des jungen Paares zurück hinter den Reizen der Metropole. Eine „Sozialstudie des Nationalsozialismus in einer deutschen Stadt“, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt. Außerdem, so die ZEIT, „eine subtile Gegengeschichte“ zu Uwe Tellkamps Dresden-Roman „Der Turm“.

ERÖFFNUNGSVERANSTALTUNG. Lesung und Gespräch, Moderation: Denis Scheck

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Sonntag
21. April 2024

J. W. Goethe & Sam Michelson & Erik Arnecke

„Die Leiden des jungen Werther“ – Weltliteratur für Feinschmecker ( 1 )

Es war einer der ersten Bestseller der Weltliteratur. Als im September 1774, also vor 250 Jahren, der Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ erschien, war das Buch sofort ausverkauft. Es folgten Neuauflagen und Übersetzungen, mit einem Schlag wurde der 25-jährige Verfasser Johann Wolfgang Goethe in ganz Europa bekannt. Napoleon las das Büchlein sieben Mal und trug es immer bei sich. Das „Werther-Fieber“ brachte junge Männer dazu, sich in Blau und Gelb zu kleiden und Stulpenstiefel zu tragen wie der Protagonist des Romans. Es kam zu Selbstmorden, die das empörte Bürgertum und die Kirche dem Autor anlasteten. Denn Goethes Held gibt sich die Kugel, nachdem er vergeblich eine junge Dame umworben hat, die einem anderen versprochen ist. Folgt man dem leidenschaftlichen Duktus der Briefe, dann scheiterte die Liebe an den verkalkten Konventionen der Gesellschaft, gegen die die literarischen Revoluzzer des „Sturm und Drang“ aufbegehrten, um den Vorrang der erhabenen Gefühle und die Freiheit von allem Zwang zu propagieren. Im Werther-Kostüm trägt der junge Frankfurter Schauspieler Sam Michelson Auszüge aus dem Schlüsselwerk der deutschen Klassik vor, dazu serviert der Sterne-Koch Erik Arnecke ein Menu nach Rezepten aus dem Umfeld Goethes, der durchaus ein Feinschmecker war.

Weltliteratur an authentischen Orten; Szenische Lesung & Dinner im Gourmet-Restaurant „Philipp Soldan“

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Anne Rabe

„Die Möglichkeit von Glück“ – Aus dem Inneren des Landes (Ost)

Die Stadt hing voller Fahnen, das ist eine ihrer frühesten Erinnerungen. Schwarz-rot-goldene Fahnen mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz. Zum letzten Mal wurde am 7. Oktober 1989 „der Tag der Republik“ begangen, vier Wochen später war die DDR am Ende. Und Stine, damals gerade vier Jahre alt, war verwirrt. Heute blickt sie zurück auf das, was vorher und was seither war. Sie tut das so couragiert und klug, so schonungslos, humorvoll und einfühlsam, dass ihr poetischer Bericht zur Lage der Halb-Nation zu einem Liebling der Kritik und des Buchmarkts avancierte. Anne Rabe, die mit ihrer Ich-Erzählerin nicht nur das Geburtsjahr und den Geburtsort Wismar gemeinsam hat, lamentiert nicht und klagt nicht an, sondern sie erzählt und breitet aus – Intimes aus der Familie und hart Recherchiertes aus dem Archiv. So erfährt man, betört durch ihren zupackenden, eleganten Stil, so manches über Traditionen der Gewalt in der DDR seit der Nazi-Zeit, über das Leben in und unter der SED oder über Strukturen, aus denen sich das heutige Wahlverhalten vieler Ostdeutscher vielleicht erklären lässt. Anne Rabes Buch ist vieles in einem, befand die Neue Osnabrücker Zeitung: „ein packender Familienroman, eine ostdeutsche Mentalitätsgeschichte und ein provozierender Denkanstoß zur unvollendeten Einheit“. Für die ZEIT ist es „das Buch der Stunde“.

Lesung und Gespräch, Moderation: Anne-Dore Krohn

Diese Veranstaltung wird wegen des starken Andrangs um 14:00 Uhr am selben Tag und am selben Ort wiederholt.

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Anne Rabe

„Die Möglichkeit von Glück“ – Aus dem Inneren des Landes (Ost)

Die Stadt hing voller Fahnen, das ist eine ihrer frühesten Erinnerungen. Schwarz-rot-goldene Fahnen mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz. Zum letzten Mal wurde am 7. Oktober 1989 „der Tag der Republik“ begangen, vier Wochen später war die DDR am Ende. Und Stine, damals gerade vier Jahre alt, war verwirrt. Heute blickt sie zurück auf das, was vorher und was seither war. Sie tut das so couragiert und klug, so schonungslos, humorvoll und einfühlsam, dass ihr poetischer Bericht zur Lage der Halb-Nation zu einem Liebling der Kritik und des Buchmarkts avancierte. Anne Rabe, die mit ihrer Ich-Erzählerin nicht nur das Geburtsjahr und den Geburtsort Wismar gemeinsam hat, lamentiert nicht und klagt nicht an, sondern sie erzählt und breitet aus – Intimes aus der Familie und hart Recherchiertes aus dem Archiv. So erfährt man, betört durch ihren zupackenden, eleganten Stil, so manches über Traditionen der Gewalt in der DDR seit der Nazi-Zeit, über das Leben in und unter der SED oder über Strukturen, aus denen sich das heutige Wahlverhalten vieler Ostdeutscher vielleicht erklären lässt. Anne Rabes Buch ist vieles in einem, befand die Neue Osnabrücker Zeitung: „ein packender Familienroman, eine ostdeutsche Mentalitätsgeschichte und ein provozierender Denkanstoß zur unvollendeten Einheit“. Für die ZEIT ist es „das Buch der Stunde“.

Lesung und Gespräch, Moderation: Anne-Dore Krohn

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Jan Wagner

„Steine & Erden“ – Poetische Verwandlungen

Das Urteil der Kritik ist überschwänglich. Die Gedichte, die Jan Wagner in seinem neuen Band „Steine & Erden“ versammelt, beschreibt die FAZ als „schillernde Miniaturen, auf die man immer wieder aufs Neue schauen kann“. Die Neue Zürcher Zeitung urteilt, das Werk zeige „einen gereiften Dichter, der schon immer formvollendet geschrieben hat, der die Dinge und Wesen poetisch zu verwandeln und zu verzaubern vermag“. Die Objekte der Verwandlung sind aus dem Alltag gegriffen: Krähen, Kühe, Autoreifen, Löffel, Wespen oder Kriegerdenkmäler. Auch Unterirdisches kommt vor, Karotten etwa oder Steine und Erden. Die Sujets werden von Jan Wagner nicht künstlich verrätselt und in ätherische Ferne erhoben, sondern aufmerksam beschaut und beschrieben, dinglich und dichterisch zugleich. Und dann erheben sie sich doch. Man versteht aber gleich, was gemeint ist, vor allem dann, wenn der Poet seine Verse lebhaft selber vorträgt. Das tut er diesmal in sehr ungewöhnlicher Umgebung: in der Backstube der Bäckerei Dirk Weber in Sachsenberg.

Lesung und Gespräch, Moderation: Denis Scheck

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J. W. Goethe & Sam Michelson & Erik Arnecke

„Die Leiden des jungen Werther“ – Weltliteratur für Feinschmecker ( 2 )

Es war einer der ersten Bestseller der Weltliteratur. Als im September 1774, also vor 250 Jahren, der Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ erschien, war das Buch sofort ausverkauft. Es folgten Neuauflagen und Übersetzungen, mit einem Schlag wurde der 25-jährige Verfasser Johann Wolfgang Goethe in ganz Europa bekannt. Napoleon las das Büchlein sieben Mal und trug es immer bei sich. Das „Werther-Fieber“ brachte junge Männer dazu, sich in Blau und Gelb zu kleiden und Stulpenstiefel zu tragen wie der Protagonist des Romans. Es kam zu Selbstmorden, die das empörte Bürgertum und die Kirche dem Autor anlasteten. Denn Goethes Held gibt sich die Kugel, nachdem er vergeblich eine junge Dame umworben hat, die einem anderen versprochen ist. Folgt man dem leidenschaftlichen Duktus der Briefe, dann scheiterte die Liebe an den verkalkten Konventionen der Gesellschaft, gegen die die literarischen Revoluzzer des „Sturm und Drang“ aufbegehrten, um den Vorrang der erhabenen Gefühle und die Freiheit von allem Zwang zu propagieren. Im Werther-Kostüm trägt der junge Frankfurter Schauspieler Sam Michelson Auszüge aus dem Schlüsselwerk der deutschen Klassik vor, dazu serviert der Sterne-Koch Erik Arnecke ein Menu nach Rezepten aus dem Umfeld Goethes, der durchaus ein Feinschmecker war.

Weltliteratur an authentischen Orten; Szenische Lesung & Dinner im Gourmet-Restaurant „Philipp Soldan“

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Ilija Matusko

„Es riecht nach Pommes, Ilija kommt“ – Ängste eines Aufsteigers

Der Satz, dahin geworfen von einem Mitschüler, wühlt den Jungen, der gemeint ist, auf, lässt ihn nicht mehr los und wird zum Ausgangspunkt einer Selbstbefragung: „Es riecht nach Pommes, Ilija kommt“. Verrät ein Geruch die soziale Herkunft? Legt diese Herkunft das Schicksal eines Menschen fest? Ilija Matusko, Sohn eines kroatischen Kochs und einer deutschen Kellnerin, wächst in der Gaststätte seiner Eltern auf, arbeitet mit, geht aufs Gymnasium und die Universität und erfährt auf diesem Weg die klassische Entfremdung des Aufsteigers von seinem Ursprungsmilieu. Hier die fordernde Knochenarbeit in der Gastronomie, dort die Verschattungen der Berliner Bildungs-Bohème. In seinem Erstling „Verdunstung in der Randzone“ reflektiert der Autor mit scharfem Blick auf tausend feine Unterschiede seine divergierenden Lebenswelten sowie die Minderwertigkeitsgefühle, die Ängste und die Zweifel, die ihn begleiten. „Sie ist immer da, die innere Zersplitterung, die Scherben und Umbrüche im eigenen Selbst, die Disparität der eigenen Anteile“, schreibt der Autor. Ilija Matusko hat etwas zu erzählen, und er erzählt es gut und eindringlich.

Lesedinner mit kroatischem Vier-Gang-Menu, incl. Pommes.
Lesung und Gespräch, Moderation: Klaus Brill

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Montag
22. April 2024

J. W. Goethe & Sam Michelson & Erik Arnecke

„Die Leiden des jungen Werther“ – Weltliteratur für Feinschmecker ( 3 )

Es war einer der ersten Bestseller der Weltliteratur. Als im September 1774, also vor 250 Jahren, der Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ erschien, war das Buch sofort ausverkauft. Es folgten Neuauflagen und Übersetzungen, mit einem Schlag wurde der 25-jährige Verfasser Johann Wolfgang Goethe in ganz Europa bekannt. Napoleon las das Büchlein sieben Mal und trug es immer bei sich. Das „Werther-Fieber“ brachte junge Männer dazu, sich in Blau und Gelb zu kleiden und Stulpenstiefel zu tragen wie der Protagonist des Romans. Es kam zu Selbstmorden, die das empörte Bürgertum und die Kirche dem Autor anlasteten. Denn Goethes Held gibt sich die Kugel, nachdem er vergeblich eine junge Dame umworben hat, die einem anderen versprochen ist. Folgt man dem leidenschaftlichen Duktus der Briefe, dann scheiterte die Liebe an den verkalkten Konventionen der Gesellschaft, gegen die die literarischen Revoluzzer des „Sturm und Drang“ aufbegehrten, um den Vorrang der erhabenen Gefühle und die Freiheit von allem Zwang zu propagieren. Im Werther-Kostüm trägt der junge Frankfurter Schauspieler Sam Michelson Auszüge aus dem Schlüsselwerk der deutschen Klassik vor, dazu serviert der Sterne-Koch Erik Arnecke ein Menu nach Rezepten aus dem Umfeld Goethes, der durchaus ein Feinschmecker war.

Weltliteratur an authentischen Orten; Szenische Lesung & Dinner im Gourmet-Restaurant „Philipp Soldan“

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J. W. Goethe & Sam Michelson & Erik Arnecke

„Die Leiden des jungen Werther“ – Weltliteratur für Feinschmecker ( 4 )

Es war einer der ersten Bestseller der Weltliteratur. Als im September 1774, also vor 250 Jahren, der Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ erschien, war das Buch sofort ausverkauft. Es folgten Neuauflagen und Übersetzungen, mit einem Schlag wurde der 25-jährige Verfasser Johann Wolfgang Goethe in ganz Europa bekannt. Napoleon las das Büchlein sieben Mal und trug es immer bei sich. Das „Werther-Fieber“ brachte junge Männer dazu, sich in Blau und Gelb zu kleiden und Stulpenstiefel zu tragen wie der Protagonist des Romans. Es kam zu Selbstmorden, die das empörte Bürgertum und die Kirche dem Autor anlasteten. Denn Goethes Held gibt sich die Kugel, nachdem er vergeblich eine junge Dame umworben hat, die einem anderen versprochen ist. Folgt man dem leidenschaftlichen Duktus der Briefe, dann scheiterte die Liebe an den verkalkten Konventionen der Gesellschaft, gegen die die literarischen Revoluzzer des „Sturm und Drang“ aufbegehrten, um den Vorrang der erhabenen Gefühle und die Freiheit von allem Zwang zu propagieren. Im Werther-Kostüm trägt der junge Frankfurter Schauspieler Sam Michelson Auszüge aus dem Schlüsselwerk der deutschen Klassik vor, dazu serviert der Sterne-Koch Erik Arnecke ein Menu nach Rezepten aus dem Umfeld Goethes, der durchaus ein Feinschmecker war.

Weltliteratur an authentischen Orten; Szenische Lesung & Dinner im Gourmet-Restaurant „Philipp Soldan“

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Rüdiger Safranski

„Schreiben, um zu überleben“ – Vor 100 Jahren starb Franz Kafka

Wäre es nach ihm selbst gegangen, dann wüssten heute nur wenige Experten, dass in Prag einmal ein deutschsprachiger Schriftsteller namens Franz Kafka gelebt hat. Er gehörte einem Zirkel von Kaffeehaus-Literaten an und verpflichtete seinen Busenfreund Max Brod, im Falle seines Todes seine unveröffentlichten Schriften zu vernichten. Der jedoch entschied es anders, und so gilt Kafka heute als einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Am 3. Juni 1924 starb der ewig Kränkelnde im Alter von 40 Jahren in einem Sanatorium in Kierling bei Wien. Aus Anlass seines 100. Todestages stellt nun Rüdiger Safranski die Frage, was diesen Jahrhundert-Autor angetrieben und bewegt hat wenn nicht der Drang an die Öffentlichkeit. Der große Biograph der deutschen Klassiker studierte die von Kafka hinterlassenen Papiere, so auch die Briefe, die dieser an seine Verlobte Felice Bauer geschrieben hatte. „Ich habe kein literarisches Interesse, sondern bestehe aus Literatur“, heißt es dort. „Ich bin nichts anderes und kann nichts anderes sein.“ Kafka, so beginnt man zu begreifen, war einer von denen, die schrieben, um zu überleben...


Lesung und Gespräch, Moderation: Mara Delius

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Dienstag
23. April 2024

Joachim Gauck

"Denk´ ich an Deutschland"

Deutschland ist in jüngster Zeit großen Herausforderungen ausgesetzt, von innen wie von außen. Der russische Angriff auf die Ukraine, die ungeordnete Zuwanderung, die Energie- und Wirtschaftskrise sowie der Vormarsch populistischer und rechtsextremer Kräfte haben die Menschen in Unruhe versetzt und bringen die liberale Demokratie in Gefahr. So diagnostiziert es Joachim Gauck in seinem neuen Buch „Erschütterungen“ und fragt: Wie konnte es dazu kommen? Er setzt an bei „unserer Realitätsblindheit“ und fragt nach „den Denkweisen, die die letzten Regierungen zu fehlerhaften Entscheidungen geführt haben und von der Mehrheit der Gesellschaft getragen wurden“. Und er warnt davor, sich in Angst und Ignoranz zu flüchten. Als einer der wenigen wirklichen elder statesmen, über die die Republik verfügt, setzt der frühere Bundespräsident und einstige Rostocker Pfarrer Orientierungsmarken für die Bewahrung von Vernunft und Übersicht – verbindlich im Ton und klar in der Sache. Sein Buch sei kein Politiker-Memoir, war in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen, sondern ein Werk, „das den Leser einfängt“. Im Gespräch mit der TV-Moderatorin und Literaturkritikerin Thea Dorn tauscht Joachim Gauck Gedanken über Deutschland aus.

Eine tour d'horizon, Moderation: Thea Dorn

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Mittwoch
24. April 2024

Viktor Jerofejew

„Der Große Gopnik“ – ein Schelmenroman

Ein Gopnik ist ein Lümmel, aber keiner von der harmlosen Sorte. Ein Proll aus dem Hinterhof mit einer Neigung zur Hinterfotzigkeit und Gewalt. Einer wie Wladimir Putin, der sich bekanntlich in der Leningerader Mietskaserne, wo er aufwuchs, mit Gleichaltrigen prügelte und schon als Schüler beim Geheimdienst KGB bewarb. Putins Name kommt in Viktor Jerofejews witzig-aberwitzigem Roman nicht vor, aber durch alle Kapitel spukt der primitive Geist der Niedertracht und Anmaßung, den der Große Gopnik verkörpert. Er ist in Russland vorgedrungen bis in die Chefetage der Macht und bis in die entlegensten Verzweigungen der Gesellschaft. Insofern ist das Buch auch eine Abrechnung mit der unseligen Tradition der Unterdrückung und Gewalt in diesem Land. Jerofejew, zweifellos einer der wichtigsten russischen Autoren der Gegenwart, schreibt rasant und radikal subjektiv. Dem Gopnik, der als Ausgeburt von Stalin erscheint, setzt er die wilde Vita der eigenen Familie entgegen – sein Vater war Stalins Dolmetscher für Französisch und Diplomat. „Wer Russland und Wladimir Putin verstehen will: hier ist der Schlüssel“, sagt Rüdiger von Fritsch, der frühere deutsche Botschafter in Moskau. Die FAZ urteilt, das Buch sei „der Roman der schicksalhaften Stunde“.

Lesung und Gespräch, Moderation Thomas Urban

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Donnerstag
25. April 2024

Michael Quast & Richard Huelsenbeck

Und DADA kam aus Frankenau

Er war der Wildeste von allen: Als 1916 im Zürcher Kabarett Voltaire sechs junge Künstler den Dadaismus begründeten und damit „den Urknall der modernen Kunst“ auslösten, tat sich als exaltierter Darsteller der 23-jährige Richard Huelsenbeck besonders hervor. Er blähte die Nüstern, schaute arrogant ins Publikum und hieb mit einem Stöckchen durch die Luft, dazu trommelte, pfiff und brüllte er aus Leibeskräften. Der Provokateur, geboren 1892 als Sohn des Apothekers in Frankenau, wurde damit zu einem wichtigen Akteur einer Bewegung, die ihre Wirkung bis heute entfaltet. Vor 50 Jahren, am 20. April 1974, ist er nach einem bewegten Leben in Muralto in der Schweiz gestorben. Aus diesem Anlass soll in seinem Geburtsort sein Werk hochleben. Der Frankfurter Theatermacher Michael Quast, einer der vielseitigsten Aktionskünstler der Republik, gibt mit bizarren Wortgewittern und Spielstücken einen Eindruck davon, wie Huelsenbeck vor 100 Jahren sein Publikum agitierte: „Ziellose aller Länder, vereinigt euch!“

Theatralische Soirée und Solo-Performance

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Freitag
26. April 2024

Bettina Musall

„Das kann gut werden“ – In Rente gehen und dann Gas geben

Der Tag des Abschieds kam nach 36 Jahren und 123 Tagen. Zum letzten Mal machte Bettina Musall die Tür ihres Büros beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zu und trat hinaus – in einen neuen Lebensabschnitt, der sich Ruhestand nennt. Manche sehnen diesen Tag herbei, andere fürchten ihn, für alle aber stellt sich die Frage: Was nun? Was tun? Das war doch noch nicht alles, oder? Keineswegs, sagt Bettina Musall. „Das kann noch gut werden.“ Unter diesem Buchtitel reflektiert sie, was sich für tatendurstige Angehörige der so genannten „Boomer-Generation“, also etwa der Jahrgänge 1950 bis 1970, an Chancen und Verlockungen bietet. In Gesprächen mit prominenten Alternden wie der Managerin Simone Menne, dem Schauspieler Mario Adorf oder dem evangelischen Bischof Heinrich Bedford-Strohm sowie mit Psychotherapeuten, Soziologen, Resilienz- und Altersforschern erkundet die Autorin ein Terrain, das mit vielen Zweifeln und Unsicherheiten gepflastert ist. Die Süddeutsche Zeitung nannte das Werk der Münchner Autorin, die schon oft als Moderatorin beim „Literarischen Frühling“ zu Gast war, „ein Mutmachbuch für die geburtenstärksten Jahrgänge des Landes“ und „ein quellenstarkes essayistisches Feature, recherchiert nach besten journalistischen (Boomer?-)Standards“.

Lesung und Gespräch, Moderation Catherine Mundt

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Rafik Schami

„Wenn du erzählst, erblüht die Wüste“ – Geschichten aus dem Orient

Es war einmal eine Prinzessin, die verliebte sich in einen armen Fischer und hielt es geheim. Als ihre Mutter, die Königin, ermordet wurde, versank sie in tiefe Melancholie, weil sie sich schuldig fühlte. Ein Kaffeehauserzähler hörte davon, und um die Prinzessin aufzumuntern und zu heilen, versammelte er zehn Abende lang im Palast verschiedenste Menschen, die ihr die verschiedensten Geschichten erzählten. Es klingt wie ein Märchen aus dem Orient, und es ist ein Märchen aus dem Orient. Aber ein modernes, entdeckt und vorgestellt von Rafik Schami, dem Meistererzähler aus Damaskus, der nun schon mehr als 50 Jahre in Deutschland lebt. Er führt uns durch „ein Labyrinth aus Geschichten“, wie eine begeisterte Leserin schrieb: „Es ist eine Geschichte über Geschichten, in denen Geschichten über Geschichten erzählt werden.“ Geschichten von Liebe und Schmerz, Freundschaft und Mut, Feindschaft und Feigheit. Im großen Bühnenlicht führt Rafik Schami, dessen Werke in 34 Sprachen übersetzt wurden und Millionenauflagen erreichen, persönlich vor, was es mit der hohen Kunst des mündlichen Erzählens auf sich hat – und mit der hohen Kunst des Zuhörens. Alles ist bereit für einen unvergesslichen Abend.

Solovorstellung im großen Saal des Philipp-Soldan-Forums

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Samstag
27. April 2024

Terézia Mora

„Muna oder Die Hälfte des Lebens“ – Auftakt zu einer Trilogie der Frauen

Als Muna 18-jährig in einer DDR-Stadt beim Praktikum in der Lokalzeitung den Lehrer und Amateurfotografen Magnus kennenlernt, verliebt sie sich sogleich in diesen schönen Mann und kommt ihr halbes Leben lang nicht mehr von ihm los. Zwar verschwindet er zunächst nach Ungarn (anno 1989), doch sieben Jahre später sehen sich die beiden wieder und werden ein Paar. Das Verhältnis bekommt bald Risse, wird kalt und unberechenbar. Er will Sex, sie will Liebe und ordnet sich unter. Sie nimmt es hin, dass er sie würgt, ja bringt für seine Lieblosigkeiten und Gewaltakte noch so viel Verständnis auf, dass man als Leser erschauert angesichts von so viel Selbstaufgabe. Was nur für das Können der Autorin Terézia Mora spricht. Dieses Buch sei „wahnsinnig gut geschrieben“, befand der Kritiker Ijoma Mangold in der ZEIT, es biete „keine Einsichten, sondern nur ständig wechselnde, schillernde Reflexe wie unberechenbare Lichtbrechungen“. Vermutlich schreibe, so Mangold, heute kein anderer deutschsprachiger Autor „so lässig meisterhaft“ wie die 1971 in Ungarn geborene Büchnerpreis-Trägerin. Terézia Mora betrachtet „Muna“ als Auftakt zu einer „Trilogie der Frauen“.

Lesung und Gespräch, Moderation Catherine Mundt

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Jörg Hartmann

„Der Lärm des Lebens“ – Erinnerungen eines Schauspielers

Als sich die Aufzugstüre öffnete, hörte er sofort den Schrei. Es war sein Vater, der da schrie, im
Altenheim, gehalten von zwei Pflegerinnen. „Papa!“, rief der Sohn und trat näher. Da erstarb der Schrei, und über das Gesicht des Vaters ging ein Strahlen: „Och! Mein Junge!“ Szenen wie diese erwartet man nicht unbedingt in den Erinnerungen eines bekannten Schauspielers. Jörg Hartmann aber erzählt sehr wohl davon, wie er in einer Drehpause des Dortmunder „Tatort“ mal eben in seine 15 Kilometer entfernte Heimatstadt Herdecke fuhr, um den demenzkranken Vater zu besuchen. Der war einst ein bekannter Handballer und veritabler Vitalbolzen, „der Frikadellenkönig“. Die lebenskluge Mutter führte zeitweise eine Pommes-Bude, die Großeltern waren gehörlos und kamen nur mit viel Glück durch die Nazi-Zeit. Es sind Geschichten aus dem Leben von Jörg Hartmann ebenso wie die Aufregungen beim Vorsprechen als junger Schauspieler in der berühmten Schaubühne in Berlin und andere Theater-Episoden. Mit feinem Sinn für dramatische Raffung gibt der Künstler den Blick frei auf die bunte Vielfalt und „den Lärm des Lebens“, auf seine schauspielerische Entwicklung und auf ein Famillienleben im Ruhrpott-Milieu.

Großes Solo mit kurzem Gespräch, Moderation: Christiane Kohl

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Sonntag
28. April 2024

11:30 Uhr | Hotel Schloss Waldeck

Marcus Willascheck

„Kant: Die Revolution des Denkens“ – zum 300. Geburtstag

„Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“ – es waren Orientierungspunkte eines Mannes, der ein Leben lang aus seiner Heimatstadt Königsberg nicht hinauskam und doch mit seinem Denken neue Kontinente erschloss. Immanuel Kant hat nicht nur seine Zeit und die Philosophie der Neuzeit entscheidend geprägt, sondern auch das deutsche Grundgesetz und die Charta der Vereinten Nationen. „Seine Überlegungen zu Demokratie und Frieden, seine Reflexionen über Schönheit und Natur, seine Begründung von Moral und Recht und seine Erkundung der Grenzen menschlichen Wissens sind heute aktueller denn je“, sagt der Frankfurter Philosophieprofessor Marcus Willascheck. Der führende Kant-Experte hat zum 300. Geburtstag des größten deutschen Philosophen am 22. April 2024 ein Buch vorgelegt, das dessen Leben und Denken in seltener Klarheit, Verständlichkeit und Übersichtlichkeit aufblättert. Sein Panoramablick sei „eine Glanzleistung“, befand die FAZ. Willascheck möchte mit seinem Buch auch Einsteiger erreichen und spart Kritisches wie die rassistischen und antisemitischen Äußerungen Kants oder seine Herablassung gegenüber Frauen und Homosexuellen nicht aus. Für die Frankfurter Rundschau ist die Lektüre des Buches „der bestmögliche Auftakt für das Kant-Jahr 2024“.

Lesung und Gespräch, Moderation: Peter Neumann

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Stephan Thome alias Stephan Schmidt

„Die Spiele“ – ein Krimi, der nach Schanghai führt

September 2021, die Welt ist noch Corona-geschwächt. In Schanghai tagt das Internationale Olympische Komitee, um die Sommerspiele für das Jahr 2032 zu vergeben. Kurz vor der entscheidenden Abstimmung wird ein IOC-Funktionär aus Mosambik in seinem Hotelzimmer tot aufgefunden – ein Giftmord, wie sich bald herausstellt. Kurz zuvor hat ihn ein deutscher Journalist besucht, das zeigen die Aufnahmen einer Sicherheitskamera. China, Deutschland, Mosambik – in diesem Dreieck entfaltet sich der neueste Roman des Schriftstellers Stephan Thome, diesmal ein rätselreicher Krimi, den er unter scinem eigentlichen Namen Stephan Schmidt veröffentlicht. Die Idee trug der Autor, der aus Biedenkopf stammt und seit Jahren in Taiwan lebt, schon lange mit sich herum, in der Corona-Pandemie setzte er sie um. Zu seinen Handlungsträgern gehört eine deutsche Konsularbeamtin, die den Journalisten kennt, dies aber verheimlicht. Ferner begegnen uns ein chinesischer Kriminalkommissar, eine deutsche Kanzlerin sowie ein immer wieder unerwartet auftauchender Herr vom Ministerium für Staatssicherheit. „Die Aufklärung des Mordes hat viel mit dem Schicksal mosambikanischer Vertragsarbeiter in der DDR zu tun“, verrät der Autor.

Lesedinner mit chinesischem Vier-Gang-Menu, Gespräch mit dem Autor, Moderation Klaus Brill

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