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Kultur im Kälberstall

… und andere ausgefallene Veranstaltungen beim diesjährigen „Literarischen Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“

Ein Theaterstar im Kälberstall – das ist eine der Überraschungen, mit denen in diesem Jahr der „Literarische Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“ aufwartet. Auf einem Bauernhof in dem nordhessischen Dorf Ellershausen wird der Schauspieler Udo Samel am 16. April aus den Lebenserinnerungen des Dichters Johann Gottfried Seume lesen, eines Zeitgenossen der Brüder Grimm, der mit seinem Bericht über eine Fußwanderung von Sachsen nach Syrakus in die deutsche Literaturgeschichte einging. Die Lesung findet in einem echten Kälberstall statt, der langjährige Burgschauspieler wird gewissermaßen umringt von Kälbchen sein, während er vor rund 80 Zuschauern aus Seumes Schriften rezitiert.

Vom 11. Bis 19. April findet das Literatur-Festival statt, das als großes Kulturereignis in Nordhessen gilt. Zu den Gästen des Festivals gehören wichtige zeitgenössische deutschsprachige Schriftsteller wie Nino Haratischwili, Thomas Hettche, Sibylle Lewitscharoff, Charles Lewinsky und der preisgekrönte Jugendbuchautor Andreas Steinhöfel. Der Journalist Axel Hacke stellt sein „Kolumnistisches Manifest“ vor, der Literaturwissenschaftler Reiner Stach präsentiert seine vielgerühmte Biographie des Jahrhundert-Autors Franz Kafka. Und Adriana Altaras erzählt aus dem Leben einer jüdischen Mutter in Deutschland.

Besondere Akzente setzen auch die beiden Schirmherren des Festivals, das in diesem Jahr bereits zum vierten Mal stattfindet. So begeht Friedrich Christian Delius, der seine Gymnasialjahre in Korbach im Kreis Waldeck-Frankenberg verbracht hat, in diesem Frühjahr sein fünfzigjähriges „Berufsjubiläum“ in der alten Heimat. 1965 erschien im Wagenbach-Verlag ein schmaler Gedichtband mit dem Titel „Kerbholz“ - es war das literarische Debüt des jungen Autors, der heute international als einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Gegenwartsliteratur gilt. Im Gespräch mit dem Literaturkritiker und ARD-Moderator Denis Scheck hält Delius am 19. April in einer Matinee auf Schloss Waldeck am Edersee eine ganz persönliche Rückschau auf sein literarisches Wirken, in dem stets auch die kritische Beobachtung der Bundesrepublik Deutschland einen großen Raum einnahm.

Als zweiter Schirmherr des Festivals hebt der Weltstar Mario Adorf den Vorhang für ein neues Buch mit Geschichten aus seinem Schauspielerleben, das im Herbst erscheint. Bei einer Abendveranstaltung in der Frankenberger Kulturhalle am 18. April erzählt er davon in einer Weise, wie nur ein großer Bühnenkünstler dies kann: indem er seine Figuren darstellerisch zum Leben erweckt. Zu Gast beim „Literarischen Frühling“ ist auch die Schauspielerin Iris Berben, die am Nachmittag des 19. April im Frankenberger Thalia-Kino über ihre künstlerische Arbeit und ihr politisches Engagement gegen Intoleranz und Antisemitismus spricht. Zuvor wird den Zuschauern der ZDF-Film „Das Zeugenhaus“ gezeigt. Darin hatte Iris Berben die Hauptrolle als eine ungarische Gräfin, die nach 1945 bei den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen ein Gästehaus für Gegner und Gefolgsleute Hitlers leitete.

Zu den politischen Delikatessen des einwöchigen Festivals gehört ein Auftritt des Autors und Schauspielers Hanns Zischler. Er ruft mit einer Lesung aus dem „Simplicissimus“ die Greuel des Dreißigjährigen Krieges wieder in Erinnerung – ein aktueller Kommentar zu den schlimmen Nachrichten, die uns derzeit täglich aus Syrien, dem Irak, der Ost-Ukraine oder Afrika erreichen. Der frühere deutsche Außenminister Klaus Kinkel und der renommierte polnische Historiker Prof. Włodzimierz Borodzej diskutieren über „Putin, Polen und den Preis der Friedens”.

Literarische und kulinarische Leckerbissen werden bei einer Küchenlesung offeriert, in der die Schauspielerin Barbara Frank Auszüge aus Joseph Roths Klassiker „Radetzkymarsch“ liest, während die passenden Gaumengenüsse dazu serviert werden. Beste Unterhaltung auf hohem kulturellen Niveau verspricht überdies der Dialog des TV-Moderators Hubertus Mayer-Burckhardt mit dem Feuilletonisten Willi Winkler zu werden, die von zwei höchst unterschiedlichen Wanderungen durch Deutschland berichten werden. Unterdessen können Interessierte bei einem dreitägigen Intensiv-Workshop mit dem Schweizer Bestsellerautor Charles Lewinsky in die Kunst der Romanschreibens eintauchen.

Der „Literarische Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“ wird seit 2012 von drei Hotels im Landkreis Waldeck-Frankenberg veranstaltet, die den knapp 30 Veranstaltungen in ihren Räumen eine bewusst intime Atmosphäre geben. Es sind das Hotel Die Sonne Frankenberg, das Hotel Schloss Waldeck und das Landhaus Bärenmühle. Sie werden unterstützt von 21 Unternehmen und Institutionen in der Region, darunter mehreren weltweit tätigen Firmen.

Karten für das Festival, das am 11. April mit der Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff auf Schloss Waldeck eröffnet wird, sind über diese Webseite erhältlich.

25.03.2015