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Der Spielplan

Freitag
13. April 2018

Andrea Linnebach

Der Mann, der den Baron von Münchhausen erfand

Alle Welt kennt seine skurrilen Erzählungen: Wie er bei Nacht im Schnee sein Pferd an einen Pfahl band und am Morgen feststellte, dass der Gaul an einer Kirchturmspitze hing. Oder wie er auf einer Kanonenkugel aus einer feindlichen Festung ritt. Der Freiherr von Münchhausen ist die schillernde Titelfigur eines Weltbestsellers, dessen Urheber vor gut 200 Jahren ähnlich abenteuerlich lebte wie sein fiktiver Held – unter anderem in Kassel. Das Werk erschien 1786 in Deutschland anonym, sein Urheber war der umtriebige Bibliothekar, Vulkanologe und steckbrieflich gesuchte Dieb Rudolf Erich Raspe (1736-1794), wie erst viel später bekannt wurde. Gebürtig aus Hannover, lebte der Universal-Gelehrte von 1767 bis 1774 in Kassel, wo er dem Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel diente. Aber er vergriff sich an dessen Münzen, musste fliehen und verschwand in England. Die Kasseler Kulturwissenschaftlerin Dr. Andrea Linnebach hat die ungeraden Wege des Abenteurers erforscht und erzählt von seinen Verdiensten und Verbrechen. Dazu liest der Marburger Schauspieler Karlheinz Schmitt Auszüge aus der neu aus dem Englischen übersetzten, 2015 erstmals auf Deutsch erschienenen Originalausgabe der Münchhauseniaden von Rudolf Erich Raspe.

Pre-Opening des Festivals, Lesung und Gespräch mit Käse, Brotzeit und Wein; Moderation: Klaus Brill

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Samstag
14. April 2018

19:00 Uhr | Hotel Schloss Waldeck

Jan Wagner

„Selbstporträt mit Bienenschwarm“

Der „Spiegel“ beschrieb es so: Der „größte deutsche Literaturpreis“, benannt nach Georg Büchner, wurde 2017 „an den Dichter der kleinsten Gegenstände“ vergeben. Jan Wagner heißt der Mann, und er schreibt (unter anderem!) über Tomaten, Schlehen, Weidenkätzchen oder Mücken. Oder über den Giersch, dessen unverschämtes Wuchern der Poet mit einer Kaskade von Zisch- und i-Lauten evozierte. Die Jury des Büchner-Preises lobte „die spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung, musikalische Sinnlichkeit und intellektuelle Prägnanz“, die in solchen Gedichten zum Ausdruck komme. „Weder reimt er auf Teufel komm raus, noch meidet er den Reim wie der Teufel das Weihwasser. Er beherrscht die Kunst, ein Formschema lässig zu erfüllen“, meinte die Süddeutsche Zeitung. Mehr als 30 Auszeichnungen hat Jan Wagner bisher erhalten, darunter auch den Preis der Leipziger Buchmesse und ein Stipendium der Villa Massimo in Rom. Seine Werke wurden bereits in mehr als 30 Sprachen übersetzt. „Wer Jan Wagner jemals beim Vortrag eines seiner Gedichte zugehört hat,“ schrieb die Frankfurter Allgemeine, „der weiß, was Lyrik bewirken kann.“ Eine exklusive Gelegenheit dazu bietet die Eröffnungsveranstaltung des „Literarischen Frühlings“.

Eröffnungsfeier des Festivals, Lesung und Gespräch mit anschließendem Empfang, Moderation: Denis Scheck

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Sonntag
15. April 2018

Jürgen Kaube

„Die Anfänge von allem“

Wer war der erste Mensch, der aufrecht gegangen ist? Wer hat als erster gesungen, getanzt, geschrieben, mit Geld bezahlt, zu einem Gott gebetet? Wer hat als erster ein Stück Fleisch gekocht und wer hat das Rad erfunden, das ja in der Natur nicht vorkommt? Wir wissen es nicht. „Die wichtigsten Erfindungen haben keine Erfinder“, sagt Jürgen Kaube, einer der renommiertesten deutschen Wissenschaftsjournalisten, der auch zu den vier Herausgebern der FAZ gehört. Über viele Jahre hat er für 16 Lebensbereiche die Stränge gesellschaftlicher Entwicklungen bis zu den mutmaßlichen Ursprüngen zurückverfolgt und führt sie nun in 16 kompakten Kapiteln vor: so auch die Anfänge der Stadt, der Landwirtschaft, der Monogamie oder des Rechnens. Es ist daraus ein Buch geworden, das sich nach dem Urteil der Süddeutschen Zeitung „durch Kürze des Ausdrucks, Anschaulichkeit und einen verführerisch klaren Stil empfiehlt“. Die wichtigste Erkenntnis: die Anfänge sind nicht als konkrete Punkte auszumachen, sondern liegen in Entwicklungsprozessen, die sich über Jahrtausende, manchmal Jahrmillionen hinzogen. „Unsere Gesellschaft ist das Resultat der unwahrscheinlichsten Vorgänge“, sagt Jürgen Kaube. „Wir sind nicht die Krone der Schöpfung, wir sind merkwürdig.“

Lesung und Gespräch; Moderation: Willi Winkler

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Oscar Wilde

“Ich sterbe über meine Verhältnisse“

„All art is quite useless“ – alle Kunst ist völlig zweckfrei, nutzlos, unbrauchbar. Mit diesem ästhetischen Konzept und mit den Skandalen, die sein exzentrischer Lebenswandel hervorrief, hat Oscar Wilde (1854-1900) sich in die Literaturgeschichte eingeschrieben. Vor allem sein bekanntestes Werk „Das Bildnis des Dorian Gray“ atmet diesen Geist. Daneben bietet es aber auch höchst witzige Milieu-Schilderungen aus dem Lotterleben der englischen Upper Class um 1900, die uns heute helfen können, einen Boris Johnson und andere Hasardeure der Operation Brexit besser zu verstehen. Ein würziges Bonmot zählt mehr als eine nüchterne Analyse. So heißt es über einen der Gentlemen: „Politisch war er ein Tory, außer wenn die Tories am Ruder waren; während dieser Zeit schalt er sie eine Bande von Radikalen.“ Die Herren sind nie um ein Witzwort verlegen, und Oscar Wilde war es auch nicht, nicht einmal in seiner letzten Stunde. Verfemt und verschuldet starb er in einem kleinem Pariser Hotel, das ihn freilich standesgemäß verwöhnte, sodass er seufzte: „Ich sterbe über meine Verhältnisse.“ Das Treiben der Londoner High Society wird bei dieser szenischen Lesung von dem Marburger Schauspieler, Regisseur und Theaterintendanten Matthias Faltz präsentiert. Er erhält Unterstützung durch den Sternekoch Erik Arnecke, der das viktorianische Zeitalter auch kulinarisch ins Bewusstsein hebt.

Weltliteratur an authentischen Orten
Lesung & Flying Dinner mit Kostproben aus der Sterneküche im Gourmet-Restaurant Philipp Soldan

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Hans Pleschinski

„Wiesenstein“ – Aus dem Leben Gerhart Hauptmanns

Das Haus wirkt wie eine Festung, massiv, geräumig, grau. „Die Ruhe, die Pforte“, sagt der alte Herr, ehe er einem gerade vor dem Haus angekommenen Sanitätsfahrzeug entsteigt, „nun kann ich sterben.“ Seine Frau widerspricht: „Du sollst ausschlafen und arbeiten.“ Die Szene spielt in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges im Hirschberger Tal in Schlesien, im Bergort Agnetendorf. Die prächtige Villa Wiesenstein, durch die das Dorf berühmt wurde, gehörte dem deutschen Schriftsteller Gerhart Hauptmann, der an diesem Tag mit seiner Frau Margarete Schutz in der alten Heimat suchte. Gut ein Jahr später, am 6. Juni 1946, sollte er tatsächlich hier sterben. Der Zweite Weltkrieg war vorbei, das Nazi-Regime gestürzt und Gerhart Hauptmann trotz sowjetischer Fürsprache sogar als Leiche unerwünscht in Schlesien, das nun unter polnische Herrschaft kam. Er wurde dann auf der Insel Hiddensee beerdigt, wo er ein weiteres Haus besessen hatte. Mit feinem Gespür für die Dramatik und Komplexität der damaligen Zeit erzählt Hans Pleschinski über die Endphase im Leben des populären Dichterfürsten und Literaturnobelpreisträgers, der Hitlers höchstes Wohlwollen genoss und mit dem NS-Regime in zwielichtigem Einvernehmen lebte.

Lese-Dinner, Lesung und Gespräch mit dem Autor, dazu wird ein schlesisches Vier-Gang-Menü serviert.
Moderation: Denis Scheck

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Montag
16. April 2018

Oscar Wilde

“Ich sterbe über meine Verhältnisse“

„All art is quite useless“ – alle Kunst ist völlig zweckfrei, nutzlos, unbrauchbar. Mit diesem ästhetischen Konzept und mit den Skandalen, die sein exzentrischer Lebenswandel hervorrief, hat Oscar Wilde (1854-1900) sich in die Literaturgeschichte eingeschrieben. Vor allem sein bekanntestes Werk „Das Bildnis des Dorian Gray“ atmet diesen Geist. Daneben bietet es aber auch höchst witzige Milieu-Schilderungen aus dem Lotterleben der englischen Upper Class um 1900, die uns heute helfen können, einen Boris Johnson und andere Hasardeure der Operation Brexit besser zu verstehen. Ein würziges Bonmot zählt mehr als eine nüchterne Analyse. So heißt es über einen der Gentlemen: „Politisch war er ein Tory, außer wenn die Tories am Ruder waren; während dieser Zeit schalt er sie eine Bande von Radikalen.“ Die Herren sind nie um ein Witzwort verlegen, und Oscar Wilde war es auch nicht, nicht einmal in seiner letzten Stunde. Verfemt und verschuldet starb er in einem kleinem Pariser Hotel, das ihn freilich standesgemäß verwöhnte, sodass er seufzte: „Ich sterbe über meine Verhältnisse.“ Das Treiben der Londoner High Society wird bei dieser szenischen Lesung von dem Marburger Schauspieler, Regisseur und Theaterintendanten Matthias Faltz präsentiert. Er erhält Unterstützung durch den Sternekoch Erik Arnecke, der das viktorianische Zeitalter auch kulinarisch ins Bewusstsein hebt.

Weltliteratur an authentischen Orten
Lesung & Flying Dinner mit Kostproben aus der Sterneküche im Gourmet-Restaurant Philipp Soldan

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Wolfgang Kraushaar

„Die blinden Flecken der 68-er Bewegung“

1968 – diese Jahreszahl markiert einen Wendepunkt in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Revolte der Studenten, die gegen den Vietnam-Krieg, gegen die Verdrängung der NS-Verbrechen und gegen die autoritären Strukturen der Gesellschaft aufbegehrten, wurde zum Fanal des Aufbruchs. Zu den Folgewirkungen zählten unter anderem der Wahlsieg des Bundeskanzlers Willy Brandt, die Gründung der Grünen und der Aufstieg des Feminismus, aber auch der Terrorismus der „Roten Armee Fraktion“ oder die Dauerkrise des Bildungswesens. Bis heute sind die Impulse von 1968 spürbar – und politisch umstritten. Nun jährt sich das Jahr des Aufstands zum 50. Mal, eine Rückschau ist also angebracht. Der Hamburger Politologe und Historiker Wolfgang Kraushaar, gebürtiger Nordhesse, kann dazu umfassende und tiefgründige Analysen beisteuern. Er gilt als kritischer Chronist der Bewegung und untersucht in seinem neuesten Buch auch deren „blinde Flecken“. Für ihn steht fest: 1968 „hat die deutsche Gesellschaft bis in ihre Tiefendimensionen hinein verändert“.

Lesung und Gespräch; Moderation: Klaus Brill

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Jürgen Neffe

„Karl Marx – der Unvollendete“

Es gibt nur wenige Deutsche, die mit ihren Werken Weltgeschichte geschrieben haben – Gutenberg, Luther oder Goethe zum Beispiel. Auch Karl Marx gehört gewiss dazu. Der Philosoph aus Trier, der 1848 mit seinem Freund Friedrich Engels das Kommunistische Manifest verfasste und 1867 sein Monumentalwerk „Das Kapital“ vorlegte, wurde damit zum Gründervater der Kommunistischen Bewegung. Sie hat fast das ganze 20. Jahrhundert lang einen wichtigen Teil der Welt beherrscht und das Leben und Denken von Milliarden Menschen bestimmt, bis hin zu den Massenmorden der kommunistischen Diktatoren in der Sowjetunion und China. Was hätte Marx dazu gesagt? Ist er dafür mitverantwortlich? „Marx hat nie einen Marxismus begründet“, sagt der Bestseller-Autor Jürgen Neffe. „Nichts lag ihm ferner, als ein abgeschlossenes System zu schaffen.“ Rechtzeitig zum 200. Geburtstag von Karl Marx am 18. Mai 2018 legt der renommierte Wissenschaftsjournalist, der mit Lebensbeschreibungen von Albert Einstein und Charles Darwin bekannt wurde, nun eine umfassende Marx-Biographie vor. Detailreich und fesselnd erzählt er darin von den schwierigen Lebensumständen des Exilanten in Brüssel, Paris und London und den Belastungen des Familienlebens. Zugleich gelingt es ihm, die komplexen Gedankenwelten und ökonomisch-philosophischen Erwägungen des Denkers in einer Sprache zu komprimieren, die auch dem Laien einen Zugang eröffnet."Neffe ist eine brillante Marx-Analyse gelungen", urteilte das Handelsblatt. „Marx war ein Meisterdenker, und er hat in Jürgen Neffe seinen Meisterbiografen gefunden“, sagt der bekannte Literaturkritiker Denis Scheck.

Lesung und Gespräch, Moderation: Willi Winkler

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Dienstag
17. April 2018

Petra Morsbach

„Justizpalast“

Kann man ein so nüchternes Thema wie die Justiz zu einem Roman verarbeiten? Petra Morsbach kann es. Sie tat es in ihrem neuesten Buch „Justizpalast“ in einer Weise, dass die Kritiker wahre Hymnen anstimmten. Die Neue Zürcher Zeitung sprach von einem „Monumentalwerk über menschlichen Kleinmut und staatliche Größe“ und fügte an: „Es ist die Geschichte einer Richterin, die es sich nicht leicht macht bei der Suche nach Gerechtigkeit. Schon weil sie selbst sehr gut weiß, was Ungerechtigkeit ist.“ Der Deutschlandfunk nannte das Werk „eine große, geschichtenreiche menschliche Tragikomödie“. Und die Passauer Neue Presse schrieb: „Diesem Buch wünscht man 100.000 Leser.“ Weil es ebenso tiefgründig wie unterhaltsam sei. Neun Jahre lang hat die Autorin recherchiert und geschrieben, 50 Juristen hat sie zu Rate gezogen, um am Beispiel der Münchner Richterin Thirza Zorniger ein Sittenbild der Rechtspflege im heutigen Deutschland zu malen. So wurde aus dem vermeintlich trockenen Stoff ein höchst lebendiger, realitätsgesättigter und spannender Roman, den nicht nur Juristen lieben werden. Gerade wer sich schwer tut mit der Materie, erhält hier nebenbei einen Grundkurs in Jura.

Lesung und Gespräch; Moderation: Catherine Mundt

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Mittwoch
18. April 2018

Walter Sittler

Das Kleinmaleins des Seins – Ein Abend mit Erich Kästner

Erich Kästner war „einer der ganz großen Lyriker des 20. Jahrhunderts“ – so sah es der Kritiker Marcel Reich-Ranicki. Zum Besten, was er in deutscher Sprache kenne, zählte der verstorbene Literatur-Papst diese Miniatur in acht Worten: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Ein klassischer Kästner: schnörkellos, witzig und von tiefer Einsicht in die Unvollkommenheit des Daseins geprägt. Aus dem Leben dieses Titanen der neuen Sachlichkeit und der kleinen Form erzählt der bekannte Schauspieler Walter Sittler in Kästners eigenen Worten: er rezitiert Gedichte, trägt Prosatexte vor, liest aus Briefen des Dichters an seine über alles geliebte Mutter und entfaltet so ein kabarettistisches Panorama der wilden Zwanziger Jahre, der NS-Zeit und der deutschen Nachkriegszeit. Motto: „Wenn wir den Krieg gewonnen hätten – dann wäre Deutschland nicht zu retten.“ Kästner sah 1933 in Berlin selber zu, wie die Nazis seine Bücher verbrannten, weigerte sich aber, zu emigrieren und verfasste unter Pseudonym sogar Drehbücher für die deutsche Filmindustrie. „Er beschrieb sein Leben distanziert und immer im Zusammenhang mit anderen“, sagt Walter Sittler, „er wollte selber nicht Mittelpunkt sein.“ Bei diesem schwung- und stimmungsvollen literarischen Solo eines großen Schauspielers steht Kästner aber doch im Mittelpunkt – in all seiner Bescheidenheit und Lakonie.

Ein Bühnenabend mit Musik in der Wandelhalle Bad Wildungen
Walter Sittler wird bei dieser Vorstellung auf dem Flügel von dem in Schweden geborenen Pianisten Lars Jönsson begleitet.

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Donnerstag
19. April 2018

Michael Quast & Olaf Pyras

„Bzzz, www, rrrr, mmmmh“ – Die Poesie der Insekten

Es war einmal ein Mann, Sohn eines armen Bauern aus Südfrankreich, der widmete sein ganzes Leben dem Studium der Insekten. Als er alt war, legte er in der Provence, auf einem struppigen Acker in Sérignan-du-Comtat bei Orange, „ein Laboratorium auf freiem Felde“ an. Dort beobachtete er seine geliebten Sandwespen, Raupentöter oder Eichenspinner und stellte mit ihnen allerlei Versuche an. Die „Erinnerungen eines Insektenforschers“, die dieser Jean Henri Fabre (1823-1915) dann in zehn Bänden veröffentlichte, enthalten eine überbordende Fülle präzisester Informationen, die schon den großen Charles Darwin begeisterten. Zudem hat Fabre seine Erlebnisse mit den Käfern, Bienen, Spinnen und Skorpionen so schön und anrührend beschrieben, dass er sogar für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde. Victor Hugo nannte ihn "den Homer der Insekten". Wie würde der geniale Naturforscher heute weinen, müsste er das aktuelle Insektensterben miterleben! Jede zweite der rund 570 Wildbienenarten in Deutschland ist bedroht. Schon werden auch Vögel vermisst, die von Insekten leben, und Obstbäume warten vergeblich auf Bestäubung. Eine lautlose Katastrophe bahnt sich an: es zirpt und schilpt und piept nicht mehr wie früher, es naht der „stumme Frühling“. Der Frankfurter Aktionskünstler Michael Quast rückt der Malaise mit Poesie zu Leibe. In gewohnt mitreißender Art trägt er Texte von Jean Henri Fabre vor und streut dazwischen Gedichte von Goethe, Heine, Morgenstern & Co. Dabei hilft ihm der Schlagwerker und Komponist Olaf Pyras aus Deute im Schwalm-Eder-Kreis mit akustischen Mitteln, uns die Insekten zu vergegenwärtigen, die aus unserem Leben zu entfleuchen drohen. Bzzz, www, rrrr, mmmmh!

Weltliteratur an authentischen Orten – im literarischen Duett.

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Freitag
20. April 2018

Lilian Loke

„Auster und Klinge“

Ein Hotelfachmann, der ein Doppelleben als Einbrecher führt, und ein Millionenerbe, der mit radikalen Kunstaktionen die Gesellschaft aufrütteln will. Zwei Biografien, die sich in Lilian Lokes neuem Roman auf folgenschwere Weise kreuzen. Die Autorin erzählt mit bösartiger Komik von einem riskanten Deal in einer erbarmungslosen Welt. Nach ihrem gefeierten Debüt-Roman „Gold in den Straßen“ (2015), der im Makler-Milieu spielt, legt die Münchner Schriftstellerin mit malaysischen Wurzeln ein neues Buch vor, das wiederum mitten im Leben spielt – diesmal dient das zuweilen durchaus schillernde Gastro-Gewerbe als Hintergrund für Lokes rasante Erzählkunst. Ein Restaurant-Roman, wie gemacht für den „Literarischen Frühling“!

Lesung und Gespräch; Moderation: Bettina Musall

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Petra Reski

„Bei aller Liebe“ – Serena Vitale ermittelt in Palermo

In Palermo wird ein Staatsanwalt aus Köln ermordet, auf dem Straßenstrich der Transvestiten. Bald stellt sich heraus, dass er in Deutschland gegen die Mafia ermittelte. Ein Fall für Serena Vitale, die palermitanische Staatsanwältin, die als Tochter eines Gastarbeiters im Ruhrgebiet aufgewachsen ist. „Ich fürchte mich nicht vor der Mafia, sondern vor der Feigheit der Anständigen“, sagt die eigensinnige Frau. Es könnte auch ein Leitsatz der Autorin Petra Reski sein, die seit 1991 als Journalistin in Venedig lebt und zahlreiche Aufsehen erregende Artikel und Bücher über das organisierte Verbrechen in Italien und in Deutschland verfasst hat. Weil sie Namen nannte, wurde sie mit Prozessen überzogen und persönlich bedroht. Deshalb packt sie ihre Recherchen jetzt lieber in die Form von Romanen, um ein ungeschminktes Bild jenes kriminellen Geflechts zu zeichnen, dessen Wucherungen auch die Flüchtlingskrise mitprägen. Längst haben die Clans aus dem Süden auch in Deutschland ihre Netze geknüpft, nicht nur in Pizzerien, sondern auch in großen Banken und im politischen Milieu. „Die Deutschen erfahren gar nicht, was wirklich abgeht in Deutschland“, sagt Petra Reski. Und arbeitet unerschrocken weiter daran, das zu ändern.

Lese-Dinner, Lesung und Gespräch, dazu wird ein sizilianisches Vier-Gang-Menü serviert. Moderation: Christiane Kohl

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Samstag
21. April 2018

Mario Adorf

„Der Bart des Propheten“

Karl Marx ohne Bart? Das kann ja wohl nicht wahr sein. Und doch hat der Begründer des Kommunismus ein Jahr vor seinem Tod „den Prophetenbart und die Kopfperücke weggeräumt“, wie er seinem Freund Friedrich Engels schrieb. Dies geschah bei einem Barbier in Algier, wo der ewig kränkelnde Privatgelehrte 1882 auf Anraten seiner Ärzte im angenehmen Mittelmeerklima Heilung von einer Rippenfellentzündung und anderen Leiden suchte. Er blieb zwei Monate und reiste dann nach Monte Carlo. Dort ging der große Ökonom und Theoretiker des Kapitalismus auch ins berüchtigte Spielcasino – und gewann ein hübsches Sümmchen. Das ZDF hat diese bisher kaum beachtete Episode im Leben des Philosophen aus Anlass seines 200. Geburtstages nun in einem neuen Doku-Drama mit dem Titel „Karl Marx – der deutsche Prophet“ verarbeitet, das am 1. Mai gesendet wird. In die Rolle des Alten, der in Algier Rückschau auf sein bewegtes Leben hält, schlüpfte Mario Adorf. Über die Dreharbeiten und die damit verbundenen Herausforderungen erzählt der große Schauspieler im Gespräch mit der „Spiegel“-Redakteurin Bettina Musall. Es geht dabei unter anderem auch um den berühmten Bart des deutschen Prohpeten …

Gespräch, Moderation: Bettina Musall

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Monika Maron

„Munin oder Chaos im Kopf“

Gegen den Strom zu schwimmen, ist ihr nichts Neues. Monika Maron tat es schon zu DDR-Zeiten in Ost-Berlin, und sie tut es auch heute im wiedervereinigten Deutschland. Etwa in ihrem neuen Roman „Munin oder Chaos im Kopf“, der in einer stillen Straße in Berlin-Schöneberg spielt. Ein Wohnquartier gerät in Aufruhr. Die Hauptfigur Mina Wolf, eine Journalistin, die sich gerade mit dem Dreißigjährigen Krieg befasst, erlebt ein Chaos im Kopf. Und sie führt nächtliche Gespräche mit einer Krähe namens Munin. Rings um sie herum verlieren Menschen die Nerven, auch die Erzählerin gerät in einen Strudel der Angst. Monika Marons neues Werk, vom Verlag als „Stimmungsbild unserer Zeit“ angekündigt, wird auch von den Kritikern als solches empfunden. Die Zeitung „Welt“ sieht darin „eine Parabel auf die deutschen Verwirrtheiten und Verwerfungen der Gegenwart“. Flüchtlingskrise, politische Erregung und Polarisierung inclusive. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung meint: „In einer brillanten Analyse und mit ihrer unnachahmlich präzisen Sprache geht die Schriftstellerin den Angstzusammenhängen nach.“ Und der „Spiegel“ zählt das Werk zu den „drei besten deutschen Büchern dieses Frühjahrs“.

Lesung und Gespräch, Moderation: Wolfgang Herles

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Sonntag
22. April 2018

11:00 Uhr | Hotel Schloss Waldeck

Kurt Biedenkopf

„Deutschland, quo vadis?“

Man kennt ihn als kritischen Geist, der um den heißen Brei nicht lange herumredet. „Die Expansion des Sozialen in dieser Partei stört mich“, sagte Kurt Biedenkopf kürzlich mit Blick auf die CDU, der er seit Jahrzehnten angehört. „Als wäre man eine bessere SPD. Jetzt ist die Lücke am rechten Rand evident.“ Mit wachem Intellekt und ungebremster Lust an geistiger Auseinandersetzung verfolgt der frühere Manager, Professor und sächsische Ministerpräsident im Ruhestand die Entwicklung in Deutschland und Europa. Was er als einer der führenden Intellektuellen des bürgerlichen Lagers dazu zu sagen hat, ragt über die Gemeinplätze der wöchentlichen Talkshows weit hinaus. Kurt Biedenkopf sorgt sich um die Zukunft der Arbeitsgesellschaft und den Bestand der Demokratie – und hegt bis heute einen gewissen Groll über gewisse Entscheidungen von Helmut Kohl, dessen enger Weggefährte er einst war. Im Gespräch mit dem langjährigen ZDF-Moderator und früheren Bonner Bürochef Wolfgang Herles analysiert der Professor die aktuelle politische Lage.

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14:00 Uhr | Hotel Schloss Waldeck

Tanja Kinkel

„Grimms Morde“ – ein Krimi aus dem alten Kassel

Jacob Grimm ist erschüttert. Am Schloss Wilhelmshöhe in Kassel ist eine Tote gefunden worden, eine frühere Maitresse des regierenden Landgrafen, offenbar gequält und ermordet. In ihrem Dekolleté stak ein Zettel mit einem Satz, der aus einem Märchen der Brüder Grimm stammt. Jacob und sein Bruder Wilhelm geraten in Verdacht, bald darauf ebenso die Schwestern Jenny und Annette von Droste-Hülshoff. Die beiden gehörten zu jenen zahlreichen Bekannten und Freunden, die den Brüdern Stoff für ihre 1812 erschienene Sammlung der schönsten Kinder- und Hausmärchen zugeliefert hatten – so viel jedenfalls ist historisch verbürgt. Ansonsten hat die Schriftstellerin Tanja Kinkel, eine promovierte Germanistin, ihrer Phantasie die Zügel schießen lassen, um das Leben der Brüder Grimm und der Schwestern Droste-Hülshoff zu einem knisternden Kriminalroman zu verarbeiten, der in vielen Details ein durchaus realitätsnahes Bild der Zeit vor 200 Jahren entwirft. Nordhessen und Westfalen sind die Schauplätze des Werkes, das die bisher nur als Literaten bekannten Brüder und Schwestern als Detektive vorführt. Ein großes Vergnügen und ein Abenteuer mit einem Hauch Biedermeier.

Lesung und Gespräch; Moderation: Christiane Kohl

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Friedrich Christian Delius

„Die Zukunft der Schönheit“ – Erinnerung an Korbach

Am Abend des 1. Mai 1966 betritt ein junger Deutscher mit zwei Begleitern ein New Yorker Jazzlokal. Die Lichter gehen aus, auf der Bühne legen fünf Musiker los „mit kreischenden, klagenden, schrillen Tönen“. Der junge Mann widersteht dem Reflex, sich die Hände auf die Ohren zu drücken, „das musst du jetzt aushalten“, sagt er sich. Und lässt sich von den peitschenden Dissonanzen des neuartigen Free Jazz in einen Assoziationstaumel treiben, der das unheilvolle Durcheinander seiner Zeit in ihm aufruft: den Vietnam-Krieg, den Kampf der Schwarzen, die Studentenproteste. Der Rausch der Improvisation verschafft dem angehenden Dichter eine Art künstlerisches Erweckungserlebnis, unbearbeitete Erfahrungen melden sich zurück: die Jugend in einer kleinen Stadt mit Namen Korbach; ein Jazzabend, der zum Zerwürfnis mit dem kranken Vater führte. Friedrich Christian Delius, einer der wichtigsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart, spricht in dieser autobiographischen Erzählung erstmals in einem Buch über jene Jugendjahre, die er als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Korbach verbrachte. Das neue Werk reflektiert den Aufbruchsgeist einer Epoche, die 1968, vor genau 50 Jahren, ihren politischen Kulminationspunkt erreichte.

Lese-Dinner, Lesung und Gespräch, dazu passend wird ein römisch-waldeckisches Vier-Gang-Menü serviert; Moderation: Klaus Brill

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