Freitag, 27.03.2026, 16:30 Uhr
Landgut Walkemühle, Frankenberg/Eder
Anja Kampmann - "Die Wut ist ein heller Stern"

Für die neuen Herren sind sie „moralisch verkommen“, die Frauen aus den Bars und Variétés der Hamburger Reeperbahn, von denen viele nichts haben außer ihrem Körper, den sie verkaufen können. Hedda lebt in diesem Milieu, als 1933 die Nazis an die Macht gelangen, sie hat es zur Tänzerin im „Alkazar“ gebracht und spürt nun, wie ihresgleichen unter Druck gerät. Ihr Geliebter wird erschlagen, Kolleginnen werden abgeholt, ins Heim gebracht, zwangssterilisiert. Doch Hedda gibt sich nicht geschlagen, sondern plant für sich und ihren kleinen Bruder die Flucht. Anja Kampmann rückt Schicksale ins Licht der Aufmerksamkeit, die bisher kaum beachtet wurden: das Leiden der widerständigen kleinen und armen Leute in der NS-Zeit. „Viele Orte und Figuren sind historisch verbürgt“, sagt die Autorin. Sie erzählt von den Nöten in einem Ton, der die Kritiker begeistert. „Ein Roman wie ein literarischer Seiltanz“, lobt der SWR. Für den Hanser-Verlag ist es „eine Geschichte weiblicher Selbstbehauptung in einer ganz und gar von Männern dominierten Zeit“.
Lesung und Gespräch
Foto: Maximilian Gödecke
Lesung mit Gespräch
Freitag, 27.03.2026, 19:00 Uhr
Metzen Alter Kuhstall Ellershausen
Thomas Melle - "Haus zur Sonne" - Berichte aus einer anderen Welt

Klingt wie real. Im Job Center lag dieser Flyer: „Pilotprojekt zur Lebensverbesserung, Traumverwirklichung, Selbstabschaffung“. Der Ich-Erzähler nimmt ihn mit, fragt nach, bewirbt sich und wird aufgenommen im „Haus zur Sonne“, einer Art Sanatorium, das alle Wünsche erfüllt, sofern man unterschreibt, dass man am Ende aus dem Leben scheidet. Gerade das will unser Mann unbedingt.
Er leidet an manischer Depression und hat – wie andere Insassen dieser sanften Selbstmordklinik – in seiner Anderwelt entsetzliche Niederlagen erlitten. Nun will er für kurze Zeit ein Rockstar sein, eine Sexorgie oder eine Reise in die Vergangenheit miterleben. Und erlebt es im künstlich induzierten Traum.
So gibt Thomas Melle auf eindringlichste, auch erschütternde Weise einen Eindruck davon, welch eine Pein das Leben mit Depression oder Schizophrenie sein kann. Seine literarische Verarbeitung des Stoffes gilt als brillant, die FAZ nannte das Buch „ein vertracktes Meisterwerk“. Das von der Kritik hochgelobte Buch stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025.
Foto: Regina Schmeken
Lesung mit Gespräch