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Dada ist wieder da!

Nicht nur in Zürich, sondern auch im deutschen Hinterland wird der 100. Jahrestag der Gründung des Dadaismus begangen – Ein Bahnhof, eine frühere Leichenhalle und ein alter Kuhstall als Orte der Erinnerung an Hans Arp, Hugo Ball und Richard Huelsenbeck.

Dada ist wieder da! Hundert Jahre nach der Gründung der revolutionären literarisch-künstlerischen Bewegung wird nicht nur am historischen Ort in Zürich, sondern auch im deutschen Hinterland an die einstige Avantgarde des totalen Individualismus erinnert. In einem alten Bahnhof am Rhein, in einer früheren Leichenhalle in der Pfalz und in einem dörflichen Kuhstall in Hessen sind für die nächsten Wochen und Monate eine Reihe ungewöhnlicher Veranstaltungen geplant. Sie gelten vor allem dreien der Dada-Gründer, die mit diesen Orten in besonderer Verbindung stehen: Hans Arp, Hugo Ball und Richard Huelsenbeck.

Der Dichter Hugo Ball eröffnete am 5. Februar 1916 in der Spiegelgasse Nr. 1 in Zürich zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Sängerin Emmy Hennings, das „Cabaret Voltaire“. Schon am ersten Abend stießen die Maler Hans Arp und Marcel Janco sowie der Dichter Tristan Tzara dazu, eine Woche später auch der Schriftsteller Richard Huelsenbeck. Sie trugen provokante Prosatexte, Gesänge und Gedichte vor, die sie mit lautem Trommeln und wilden Gesten begleiteten. Die Dadaisten propagierten die Überwindung aller Grenzen und lehnten sich, mitten im Ersten Weltkrieg, gegen den damals grassierenden Hurra-Patriotismus auf. Parallel zum Kabarett eröffneten sie am 29. März 1916 die eher bürgerlich orientierte „Galerie Dada“, in der sie ihre eigenen und die Werke anderer junger Maler und Bildhauer ausstellten. Deren Namen sind heute Legende, und aus den unscheinbaren Anfängen entwickelte sich eine der radikalsten und einflussreichsten künstlerischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts, die bis heute zahllose Maler und Literaten inspiriert.

Die kunstgeschichtliche Seite des Geschehens erfährt eine umfassende Würdigung in einer großen Ausstellung mit dem Titel „Genese Dada – 100 Jahre Dada Zürich“, die am 14. Februar 2016 im Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen mit einem AufDADAtakt eröffnet wird. Dabei soll in Zusammenarbeit mit Adrian Notz, dem Direktor des bis heute existierenden Zürcher „Cabaret Voltaire“, der Geist der alten Dada-Soiréen wiederbelebt werden. In der Ausstellung werden die Räumlichkeiten des „Cabaret Voltaire“ und der „Dada-Galerie“ nachempfunden. Anlässlich der Eröffnungsfeier sowie zu einer Dada-Soirée am 22. April 2016 um 18 Uhr werden diese mit Schauspielszenen wieder zum Leben erweckt.

Die Ausstellung dauert bis zum 10. Juli und zeigt neben Werken von Dadaisten wie Hans Arp, Marcel Janco und Hans Richter auch Gemälde und graphische Arbeiten von Vertretern der internationalen Avantgarde jener Zeit, darunter Giorgio de Chirico, August Macke, Pablo Picasso und Paul Klee. Leihgaben kommen aus renommierten Sammlungen wie dem Guggenheim Museum und dem Museum of Modern Art in New York, dem Kunsthaus Zürich oder dem Folkwang-Museum in Essen.

„Unser Hauspatron Hans Arp zählt zu den Gründungsmitgliedern jener künstlerischen Bewegung, die 1916 von Zürich aus die internationale Kunstwelt nachhaltig veränderte. Mit unserer groß angelegten Schau möchten wir – als einzige Station in Deutschland – für unser Publikum erlebbar machen, wie sich die dadaistischen Ideen entwickelten und auch auf nachfolgende Künstlergenerationen und bis in die Gegenwart hinein auswirkten,“ kommen-tiert Dr. Oliver Kornhoff, Direktor des Arp Museums Bahnhof Rolandseck.

Das 2007 mit einem spektakulären Neubau des US-Architekten Richard Meier eröffnete Arp Museum Bahnhof Rolandseck verfügt über eine umfangreiche Sammlung mit Werken des bedeutenden Künstlerpaares Hans Arp (1886 – 1966) und Sophie Taeuber-Arp (1889 – 1943). Diese sind seit 1996 vom Land Rheinland-Pfalz nach und nach erworben worden. Ein Teil des künstlerischen Nachlasses war durch Kontakte des langjährigen Leiters des Künstlerbahnhofs Rolandseck, Johannes Wasmuth, zur Familie Arp von dieser nach Rolandseck gestiftet worden.

Im Fall von Hugo Ball (1886-1927) ist es dessen pfälzische Heimatstadt Pirmasens, die sich die Pflege des künstlerischen Erbes schon seit langem zum ureigenen Anliegen gemacht hat. Unter dem Motto „PS: Eine Stadt ist Dada“ wartet nun das Kulturamt im Dada-Jahr 2016 mit einer Serie von Veranstal-tungen auf. Nach dem Auftakt am 5. Februar mit einem „Fest des Irrsinns“ sind im Laufe der kommenden Monate bis zum November verschiedenste Vorträge, Lesungen, Kabarettvorstellungen und Präsentationen geplant. Die facettenreiche Reihe unter dem Titel „Der Sommer unseres Vergnügens – 100 Jahre Dada“ wird vom Kultursommer Rheinland-Pfalz gefördert.

Die Veranstaltungen finden teilweise im so genannten Carolinensaal statt, einer ehemaligen Aussegnungshalle des städtischen Friedhofs, die heute als Kulturzentrum dient, und teilweise im Kulturzentrum Alte Post, wo vor 100 Jahren noch die Postkutschen einliefen. Einer der Höhepunkte ist am 9. Juli zu erwarten: für diesen Tag sind eine Dada-Performance mit Lautgedichten in der Innenstadt und eine „lange Hugo-Ball-Nacht“ vorgesehen. „Hugo Ball war Dada, und Pirmasens mit seinen Jubiläumsveranstaltungen ist in dieser Tradition, weil revolutionäre Ideen und Querdenken keine Frage der geografischen Lage, sondern eine Frage des freien Denkens sind“, sagt Oberbürgermeister Dr. Bernhard Matheis.

Schon bald, am 21. Februar, werden bei einem Stadtrundgang die Stätten aufgesucht, wo Hugo Ball die Jahre seiner Kindheit und Jugend verbracht hatte. Der Sohn eines Schuhfabrikanten arbeitete später in München als Dramaturg und lernte dort auch Emmy Hennings und Richard Huelsenbeck kennen. Mitten im Ersten Weltkrieg trafen sich die drei als Emigranten in Zürich wieder.
Richard Huelsenbeck (1892-1974) war als Sohn eines Apothekers in dem hessischen Städtchen Frankenau, nördlich von Marburg, geboren, doch lebte seine aus Westfalen stammende Familie dort nur kurze Zeit. Die Apotheke, vormals die kleinste in Hessen, ist als Wohnhaus noch erhalten und trägt eine Gedenktafel, auf der Huelsenbeck persönlich 1959 den Dadaismus als „eine Aufstandsbewegung von schöpferischen Menschen gegen Vermassung und Mechanisierung in unserer Zeit“ definiert hatte.

Das Andenken des Literaten wird am Montag, dem 11. April 2016, mit einer Dada-Soirée in einem alten Kuhstall in Frankenau-Ellershausen geehrt. Dabei wird der Frankfurter Theater- und Aktionskünstler Michael Quast Texte von Richard Huelsenbeck, Hugo Ball und anderen Dadaisten vortragen und mit theatralischen Effekten die schrille Gaudi der Dada-Frühzeit im „Cabaret Voltaire“ in Erinnerung rufen. Im Rahmen eines einwöchigen Literatur-Festivals, des „Literarischen Frühlings in der Heimat der Brüder Grimm“, ist am selben Tag außerdem ein Vortrag des Germanisten Professor Dr. Helmut Korte vorgesehen, der als Autor eines Buches mit dem Titel „Die Dadaisten“ den historischen Hintergrund erläutern wird.
„Der Dadaismus hat seinerzeit die gesamte Welt der Kunst und Literatur auf den Kopf gestellt und ist heute wieder aktueller denn je“, sagt die Organisatorin des Festivals, die Autorin und Journalistin Christiane Kohl: „Denn angesichts von Krieg, Verzweiflung und Perspektivlosigkeit haben viele Menschen heute wieder in ähnlicher Weise das Gefühl, dass die bisherigen Antworten nicht mehr ausreichend sind, um die Probleme zu lösen.“

Schon bei der Eröffnung des Literatur-Festivals, das von drei Premiumhotels im Norden Hessens veranstaltet wird, will am 9. April der Bestseller-Autor Axel Hacke das Thema Dadaismus aufgreifen. Auch der Philosoph Peter Sloterdijk, der am 17. April auf Schloss Waldeck am Edersee auftritt, wird sich unter anderem damit befassen. In seinen Werken hat er dies schon öfter getan, so in dem Buch „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“. Dort bezeichnete Sloterdijk die Gründung des „Cabaret Voltaire“ als „ein für alle weiteren Stadien der ästhetischen und außerästhetischen Moderne grundlegendes Ereignis“ und fügte an: „Man könnte es die Sprengung der alteuropäischen Sinn-Systeme durch die Nullpunkt-Geste nennen.“

Websites und Ansprechpartner für Rückfragen

Arp Museum Bahnhof Rolandseck:
Website: arpmuseum.org
Pressekontakt: Claudia Seiffert, Leiterin Kommunikation, Tel. 02228 – 9425.39, 0172 – 634.6269; Mail: seiffert@arpmuseum.org

Stadt Pirmasens
Website: www.pirmasens.de
Pressekontakt: Pressestelle der Stadt Pirmasens, Maximilian Zwick, Telefon 06631 – 84.2222, Mail: presse@pirmasens.de

Literarischer Frühling in der Heimat der Brüder Grimm:
Website: www.literarischer-fruehling.de
Pressekontakt: Christiane Kohl, Landhaus Bärenmühle, Tel. 06455-759.040, 0172 – 825.1952; Mail: info@baerenmuehle.de; Klaus Brill, Tel. 06455-755.195, 0176-4191.5502, Mail: brill.klaus@web.de

01.02.2016